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Antifaschismus

Ein schillernder Bergriff: Antifaschismus. Sein Name soll für ein Gutes, das Hehre, das Menschliche, die Befreitheit stehen. Für die eine Gesellschaft jenseits des Faschismus. Dabei soll er Normen und Wunschverhalten von Menschen umreißen, die eine höhere Moral leben. Diese Menschen setzen sich für ein höheres Ziel ein. Das Ziel kann in ihrem Selbstverständnis mit sozialer Gerechtigkeit und Freiheit von Ausbeutung und Unterdrückung umrissen werden und soll zugleich die Emanzipation des Menschlichen sein. 

Der Antifaschismus als Begriff hat viele Väter und viele Theorien. Diese Theorien wurden zu verschiedenen politischen Zwecken in unterschiedlichen Regionen und Ländern, unter unterschiedlichen geschichtlichen Bedingungen von sehr unterschiedlichen politischen zumeist "linken" Kräften verwendet. Dabei wurde er auch als Begründung von Massenmorden eingesetzt. Auf einer seiner ideologischen Grundlagen, der bolschewistischen Ideologie des Marxismus-Leninismus, wurden antifaschistisch- demokratische Ordnungen in Mittel- und Osteuropa errichtet, die später als "(real)sozialistische" Staaten in die Geschichte eingingen und die sich als Staat gewordener Antifaschismus begriffen, Dazu gehörten die RGW-Staaten, Jugoslawien und Albanien. In Jugoslawien herrschte zwar nicht der sowjetische Marxismus-Leninismus aber verwandte Formen, die als revisionistisch galten. In Albanien bestand eine radikal "stalinistische" Variation, die zuletzt mit allen als "sozialistisch" geltenden Staaten verfeindet war. Mit dem Zusammenbruch des "realsozialistischen" Gesellschaftssystems ist der Antifaschismus eine schwierige Identitätsfigur geworden, wird er je nach ideologischer Grundhaltung gedeutet und politisch eingesetzt. Die klassischen Linien bleiben dabei im wesentlichen enthalten.

Der Begriff des Antifaschismus ist selbstredend an den des Faschismus gebunden. Ihn betreffend ist die Deutungslandschaft ebenfalls schillernd. Dabei streuen die Theorien durch alle politischen Lager, ideologischen Familien einschließlich eines rechtsextremen Antifaschismus. In aller Regel wird in diesen Theorien der Faschismus jeweils als weltanschauliche und politische Konstruktion kritisch beleuchtet und gesellschaftlich abgelehnt. Einige bezeichnen den Faschismus als Verbrechen, den zu schlagen gilt wo er gesehen wird, was situativen militanten Aktionismus legitimatorisch einschließen kann.

Der Antifaschismus in seiner inneren Differenz entwickelt insgesamt kein eindeutiges positiv bekennendes Verhältnis zu den Menschenrechten, ihrer Unteilbarkeit, zur Freiheit und Würde des Individuums. Es bestehen verschiedene Neigungen, Menschenrechte für Antifaschisten zu reklamieren, diese anderen, Faschisten und denen, die mit diesen sympathisieren oder jenen, die nicht antifaschistisch handeln zumindest temporär abzusprechen.

Handeln im Namen des Antifaschismus ist kein Grund, zuforderst eine Zuweisung in den Extremismus zu vollziehen und damit politisch und moralisch zu entwerten. Es gilt genau festzustellen, welche ideologischen und politischen Grundlagen und Ziele der jeweilige Antifaschismus besitzt, wie er sich zu Rechtsstaat und der Freiheit und Würde eines jeden Menschen und der politischen Demokratie stellt, wie er es mit der Gewalt hält und dem Respekt zu anderen (demokratischen) Positionen, um sich zu entscheiden, mit den konkreten Antifaschisten bei der Lösung von gesellschaftlichen Problemen gemeinsam zu sein zu können.

Die Rubrik will sich dem Antifaschismus in Geschichte und Gegenwart zuwenden. Selbst- und Fremdzeugnise sollen dargestellt werden, Ereignisse und Personen zu Wort kommen, die dazu beitragen können, sich einen Überblick zu verschaffen und Meinungen zu bilden. Die Rubrik wird sich als eine Collage schrittweise entwickeln. 

Antifaschismus aktuell