Zivilgesellschaft
Der Staat als Gesellschaftsorganistion besitzt nach der Vorstellung von verschiedenen aktuellen Vordenkern der Zivilgesellschaft eine politische Parallelität, die des mündigen Bürgers. Dieser Bürger ist das politisch bewußte autonome Individuum, das sich als zoon politicon entfaltet und mit anderen assoziiert, um seinen politischen, sozialen, kulturellen Interessen sichernd und Freiheitsraum aneignend nachzugehen. Diese Assoziationen, das Ensemble der Parteien, Vereine usw. konstituieren die oranisationelle und Wertestruktur der Zivilgesellschaft. Die politischen, sozialen und kulturellen Observanzen, demokratisch oder extremistisch, sind dabei unerheblich.
Die einzelnen Assoziationen können sich über Generatorthemen zu Bewegungen verbinden, die jeweilige Netzwerke und Aktionszuammenhänge herstellen, zu politschen und Lebensweisemoden werden, die eine bestimmte Halbwertszeit besitzen innerhalb derer sie sich relativ kraftvoll entfalten und gesellschaftsändernd wirken können.
Diese Moden besitzen ein jeweiliges politisches Wesen als triebkräftige Vision wünschenswerter gesellschaftlicher Zustände und Wertstellungen sowie der Abschaffung von als apokalyptisch erachteter Zustände.
Die Struktur der gesellschaftlichen Klassen und Schichten und ihrer politischen Selbstbewußheit kann auf die Struktur der Zivilgesellschaft einen Einfluss besitzen. Die politisch wesenhaft verschiedenen Zivilgesellschaften als Moden treten historisch an gesellschaftliche Krisen und Problemlagen gebunden in Erscheinung, beleben tradierte Ideologie - und Weltanschauungslandschaften und synthetisieren neue Ideologien, Welterklärungen und Visionen. Viele von ihnen verstehen sich als revolutionär, gesellschaftsverändernd und sehen sich als Missionar einer gesellschaftlichen Notwendigkeit.
Zivilgesellschaft in der Gegenwart wird zumeist verbunden mit "emanzipatorischen" Strukturen und Bewegungen. Diese bilden eigene ideologische Selbstverständnisse, die aktuelle Medienmacht besitzen und sich in der über Parteien vermittelt im Staat präsent sind. Es werden verschiedene Traditionen bezeichnet, die für diese Art von Zivilgesellschaft konstititiv sein sollen. Zu nennen ist zum einen die liberale Traditionslinie und zum anderen die linke Traditionslinie, die dem Staat als Widerpart erscheint. Konservative Monstranzen von Zivilgesellschaft sind kaum anzutreffen.
Ideologische Zivilgesellschaftsmodelle in der Vergangenheit und in der Gegenwart werden zumeist als wünschenswert und als menschlich angenommen und somit mit einer normativen Aura und Legitimation gesellschaftlicher Unabweisbarkeit versehen, gegenüber dem anderes als irrational erscheint.
Neben Staat und Zivilgesellschaft agiert die Wirtschaft als Basis des gesellschaftlichen Lebens und individueller Existenz. Zusammen mit den anderen Sphären erzeugt die Gesamtbewegung eine gesellschaftliche Kultur, die normativen Wertkonstruktionen als Vektor geschichtlicher Abläufe folgt. Diktatur oder Demokratie sind dabei nicht naturgesetzliche Ausdrücke jeweils tragender gesellschaftsordnender Herrschaft.
Demokratische oder andere Kulturen lassen sich ebenso wie die "civil society" nach sozialer Nützlichkeit, dem Grad von sozialökonomischer Angleichungen und der Rechtsstruktur mit ihren Individualrechten in der Tradition von Millar, Schmith und Ferguson bewerten. Dabei gelten die historisch gehandelten Maßstäbe, die sich aus Realitäts- und Bewertungskollisionen ergeben. Die Konstruktion und der Einsatz der Bewertung gesellschaftlicher Verhältnisse und Beziehungen sind nicht allein an den Staat gebunden, wenn das auch oft herrschaftlich angemaßt, gewalthaft oder merkantiel steuernd usurpiert werden soll.
Demokratische Kultur in ihren Maßstäben historisch situativ zu sehen, zu fordern und zu gestalten ist eine Aufgabe des zivilgesellschaftlichen Bürgers, die zumeist in seinem persönlichen Interesse liegt, auch wenn der Einsatz für sie in Herrschaftsstrukturen vielfach vom Erhabenen an den Rand und in den Bereich der Tragik und Lächerlichen gerät, was in Diktaturen regelmäßig im Gefängnis und im Tod endet.
Extremisten streben "natürliche" Lebensordnungen der menschlichen Kultur als historische Konstante an, wollen die antagonistische Dynamik stilllegen, einen politisch-normativen Herrschaftskanon herstellen, das Individuum in praktische Transzendenz überführen und politisch funktionalisieren. Zivilgesellschaft in modernem Sinne ist diesem Bestreben nur zeitweilig zur Erzeugung politisch kritischer Massen und Diktaurbasis genehm. Ob "göttliche Ordung", "Lebensrichtigkeit", "Volksgemeinschaft" oder "sozialistische Revolution", zusammen setzen sie Zwangsordnungen frei, die als Abstraktion "Extremismus" die Kehrseite demokratischer Kultur darstellt, als ihren Anatagonisten funktioniert. Insofern waren zivilgesellschaftliche Bewegungen in solchen und gegen solche Herrschaftssysteme eine herrschaftsgefährdende Diversität, wie der Ostblock nach dem 2. Weltkrieg immer wieder zeigte. Dabei sind auch nationalistische Bewegungen mit einbegriffen, die gewiss einen ebenso extremistischen Charakter entwickeln und jeweils neodiktatorische Herrschaftsmodelle anstreben.