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Community Coaching - Pretzien

Pretzien

              „Der Wunsch ... ja... vielleicht der Wunsch nach Demokratie.
                                           Aber wie prägt man den unter den Menschen aus?“

 

Am 24. Juni 2006 loderten in Pretzien die Flammen auf. Drei Tage nach der kürzesten Nacht des Jahres brannte in dem kleinen Ort an der Elbe unweit von Schönebeck in Sachsen-Anhalt ein Feuer, das noch lange für Diskussion sorgen sollte.

Der „Heimatbund Ostelbien“ verbrannte im Rahmen einer Sonnenwendfeier das Tagebuch der Anne Frank und die Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika.

Das mediale Interesse an dem Vorfall war groß. Der Bürgermeister wie auch der größte Teil des Ortes wussten nicht, wie sie mit dem Vorfall umgehen sollten. Das Dorf war gespalten. Vorwürfe und Schuldzuweisungen erschwerten die konstruktive Auseinandersetzung. In dieser Situation wandte sich der Bürgermeister von Pretzien an die ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH.

Schwerpunkt der Arbeit des ZDK-Teams war es nun, die beiden Gruppen, die sich nach der Sonnwendfeier gebildet hatten, wieder an einen Tisch zu bringen und damit eine Aufarbeitung der Geschehnisse möglich zu machen. Zunächst war es nötig, in der Kommune eine Diskussion zu fördern, die folgenden Zielen dient:

  • Sensibilisierung derjenigen, die bisher keine oder nur eine unzureichende Wahrnehmung bezüglich der Thematik hatten
  • möglichst breite Verständigung über die realen örtlichen Problemsituationen
  • Stärkung derjenigen, die auch bisher schon Probleme benannt haben (Empowerment)

Dafür war es nötig einen Raum zu schaffen, in dem alle beteiligten Parteien die Möglichkeit hatten, sich artikulieren und frei ihre Meinung darlegen zu können. Demokratie ist streitbar und sollte dies auch vor Ort sein können. Dafür benötigt sie einen Raum innerhalb des Gemeinwesens. Im Idealfall wird die im Diskurs gestärkte Aktionsbasis in irgendeiner Form institutionalisiert, als Präventivrat, als "Runder Tisch", als Bürgerforum, eigenständige Initiative oder Aktionsgruppe.

Dieser demokratische Diskussionsrahmen konnte in der Zusammenarbeit mit den einzelnen Vereinen und aktiven Bürgern im Rahmen des „Pretziener Bürgerforums“ realisiert werden.

In diesem Zusammenhang fanden im Rahmen des Pretziener Bürgerforums folgende Diskussionsrunden statt:

  • Pressekonferenz, Vorstellung des Maßnahmenplans
  • Videopräsentation: „Die Nationale Front – Neonazis in der DDR“, mit anschließender Diskussionsrunde
  • „Medien schaffen Meinung?“ Pretzien im Spiegel der Medien                                                    Diskussionsgast: Herr Zoeller (Mitteldeutsche Zeitung)
  • „Disneyland und Irakkrieg – Das Bild der Vereinigten Staaten in Deutschland“                           Diskussionsgast: Matthias Adrian (Aussteiger)
  • „Nazis in Pretzien? – Zum Umgang mit Rechtsextremisten in Pretzien“                                      Diskussionsgast: Matthias Adrian
  • „Das Eigene und das Fremde, Deutschenbilder – Was bedeutet eigentlich der Begriff Volk?“„Community Coaching in Pretzien -Demokratieförderung im Gemeinwesen“
  • Veranstaltung zum Stand der Arbeit, mit der Amadeu-Antonio-Stiftung und einem Vertreter der Ford Foundation im Rahmen des Projektes „Living Equality“                                                     Diskussionsgäste: David Chiel (FF)), Anetta Kahane (AAS)
  • Dorfchronik, Heimat und Geschichte Referentin:                                                                       Dipl. Historikerin / Ethnologin Margitta-Sibylle Fahr

Neben den festen Veranstaltungen wurden Gespräche mit Pretziener Bürgern geführt, um deren Problemwahrnehmung zu ergründen und praktische Hinweise gegeben, wie man sich lokal mit der Thematik Rechtsextremismus auseinandersetzten kann.

                   

 

Geschichte und demokratische Identität – Pretzien im Wandel der Zeit
Entstehung einer Chronik

 

Das „Pretziener Bürgerforum“ arbeitet an einem modernen Verständnis von Demokratie und befindet sich in einen komplizierten Prozess der Auseinandersetzung mit völkischen und rechtsextremen Vorstellungen, die einem demokratischen Verständnis von Gesellschaft entgegenstehen. Wie die Erfahrung zeigt, ist der geschichtliche Diskurs in Pretzien von wesentlicher Bedeutung für die Demokratiedebatte und ihrer Nachhaltigkeit. Er gibt die Möglichkeit, sich mit rechtsextremen Bestrebungen konkret auseinanderzusetzen und demokratische Positionen zur Wirkung zu bringen. Zugleich kann auf anregende Weise die nachwachsende Generation an demokratische Werte und Standards herangeführt werden und mit ihrem Lebensalltag verbunden werden.

Kristallisationsorte sind der Jugendklub und der Dorfkrug. Angesprochen werden soll in einem Audit die freiwillige Feuerwehr. Eingebracht werden einschlägige aktuelle Erfahrungen der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH aus Mecklenburg - Vorpommern. Zu diesem Zweck wird eine Projektgruppe entwickelt, die ihre Verankerung im „Pretziener Bürgerforum“, dem Pretziener Jugendklub und in der Gesellschaft Demokratische Kultur findet.

Der Fokus liegt auf der Arbeit an der Chronik als Geschichtswerkstatt und historisch zeitliches Band des Diskurses und der Verbindung mit dem Austausch der Generationen zu deren Lebenswelten und ihren gesellschaftlichen Bedingungen und Wirkungen. Die Projektgruppe führt in jedem Quartal eine Veranstaltung durch, die von einer Historikerin begleitet wird  und sich folgenden Themenclustern bewegt:

a) Demokratiebildung seit der Reformation

b) nach der Kaisermonarchie

c) totalitären Entwicklungen zwischen 1933-1945

d) von 1945-1989 zuwendet.

Die Chronik wird diesbezüglich als Bestand gesichert, genutzt und modern diskursfähig strukturiert. Am Ende stehen die öffentliche Präsentation und Verhandlung, der Diskursergebnisse.

Downloads

                                 

Projektdarstellung:  Demokratisches Leitbild und Ortsgeschichte

(A3 Flyer) 

 

 

 Pretzien im Bild - Wandkalender 2011

                              
  
 
Pretziener Geschichtsbrief 01.2010

Förderung

Das Projekt wird gefördert im Rahmen des Lokalen Aktionsplans des Salzlandkreises (Schönebeck) innerhalb des Bundesprogramms „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie".