In der rechtsextremistischen Zeitschrift „Volk in Bewegung" wirbt Jürgen Rieger, Vorstandsmitglied der NPD, für eine „Achse Berlin - Moskau". Für die NPD dürfte seine offen rassistische Argumentation nicht besonders förderlich sein, um im bürgerlichen Lager Stimmen zu sammeln. Noch am Abend der Wahl Riegers zum stellvertretenden Vorsitzenden der NPD sprach der Pressesprecher der Schweriner NPD-Landtagsfraktion, Andreas Molau, von einer „politischen Katastrophe". Die Medien werteten die Berufung des Hamburger Neonazi-Anwalts übereinstimmend als eine Stärkung des radikalen Flügels der Partei. Rieger ist nach Angaben des Netz gegen Nazis mehrfach vorbestraft wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole, Volksverhetzung und Körperverletzung. Nach eigenen Angaben betreibt er „rassische Studien". Diese „rassischen Studien" sind auch Grundlage seines ursprünglich schon Anfang des Jahres 2006 gleichzeitig in Deutschland und Russland veröffentlichten Aufsatzes „Deutschland und Rußland - von einem nationalen Deutschen gesehen". Eine leicht überarbeitete Fassung des Aufsatzes erschien nun erneut in der aktuellen Ausgabe der rechtsextremen Zeitschrift „Volk in Bewegung". Der Schwerpunkt des Heftes „Deutsche und Russen - Partner und Verbündete im 21. Jahrhundert" bot den Rahmen für die Wiederveröffentlichung. Schon die Geleitworte in der Zeitschrift des ehemaligen SS-Leutnants Herbert Schweiger erläutern die Zielrichtung einer Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland: „Es gilt, endlich das amerikanische Joch abzuschütteln, dazu brauchen wir Russland."Rieger geht in seinem Artikel dann zunächst auf die Geschichte ein, er schreibt vom „deutsche[n] baltische[n] Adel", der „oftmals hohe Stellen im russischen Heer" einnahm und beweist schon bei seinem Ausflug in die Geschichte, dass der Schwerpunkt seiner Beobachtung das Militärwesen ist. Den deutschen Angriffskrieg gegen Russland bezeichnet Rieger zwar als Präventivkrieg - ein beliebtes Motiv unter Revisionisten -, betont aber auch die „Tapferkeit und Zähigkeit russischer Soldaten". Noch aufschlussreicher wird es aber, wenn sich Rieger mit aktuellen Verbindungslinien zwischen Deutschland und Russland befasst. Eine „Achse" Berlin - Moskau bringe Vorteile für beide Länder in geopolitischer, wirtschaftlicher und militärtechnischer Hinsicht. Geopolitisch „für Rußland, um ein Glacis [Begriff aus dem Militärwesen, der das Vorfeld einer Festung bezeichnet - Anmerkung der Redaktion] im Westen zu haben, für Deutschland, um im Zusammenwirken mit Rußland die von Polen und Tschechen besetzten deutschen Gebiete, die diesen Völkern die Sowjetunion 1945 gegeben hat, zurückzugewinnen." Wirtschaftlich sieht Rieger Symbiose-Effekte durch deutsches Know-How und russische Rohstoffe. Und miltitärtechnisch wäre eine Zusammenarbeit sinnvoll, weil Russland „hervorragende Raketen" und Deutschland „ausgezeichnete Panzer" baut. Im Militärischen scheint für Rieger denn auch der eigentliche Sinn einer Partnerschaft Deutschland-Russland zu liegen: „Um die amerikanische Überlegenheit bei den Seestreitkräften zu brechen, müßte Rußland seine U-Bootflotte modernisieren und verstärken; im U-Bootbau hat Deutschland ausgezeichnete Erfahrungen, so daß von unseren Kenntnissen Rußland bei der Zusammenarbeit profitieren könnte."Ferner sieht der stellvertretende NPD-Vorsitzende Russland durch die USA bedroht, die im Süden und Westen versuche, Russland einzukreisen. Wofür sie wiederum ein „Aufmarschgebiet" im Westen benötige, das sie mit Deutschland auch habe. Rieger hat für dieses Problem aber schon eine Lösung parat: „Bei einer deutsch-russischen Allianz und Austritt Deutschlands aus der NATO würden sich die Kräfteverhältnisse [.] vollständig geändert haben."Als würden diese gemeinsamen Interessen nicht reichen, sieht Rieger noch einen anderen Grund, warum ein „starkes, selbstbewußtes und nationales Deutschland" der „ideale Bündnispartner" für Russland wäre: „die rassische Verwandtschaft zwischen dem deutschen und dem russischen Volk." Auch wenn Rieger bemerkt, dass „große Völker nicht mehr aus nur einer Rasse" bestehen, hat der Jurist eine „Formel" entwickelt, die rassische Verwandtschaft zweier Völker zu untersuchen: „Es wird festgestellt, wieviel Prozent eines Volkes einer bestimmten Rasse angehört, und dann wird festgestellt, ein wie hoher Prozentsatz derselben Rasse in dem anderen Volk vorhanden ist. Der niedrigere Wert von beiden Werten wird in die gemeinsame Rechnung mit einbezogen. Auf diese Weise werden von allen in beiden Völkern vorhandenen Rassen die Werte gebildet, so daß man den Umfang der Rassenübereinstimmung durch Summierung der jeweils kleineren Werte feststellen kann."Mittels dieser pseudowissenschaftlichen Formel „schätzt" Rieger, dass der „deutsch-russische Verwandtschaftskoeffizient" aufgrund seiner „rassischen Studien" bei 75 % liegt, woraus er schlussfolgert, dass „eine sehr große Übereinstimmung in der Rassenzusammensetzung" besteht: „Viele Dinge wie die Musikalität, die Seelentiefe sind bei unseren Völkern gleich. Dies liegt höher als mit den Völkern des Westens, die durch ihr koloniales Erbe mit der Folge der Einwanderung vieler Farbiger in die jeweiligen Mutterländer einen erheblichen Verlust an weißer Rassensubstanz erlitten haben. [...] Die Russen sind heute", so Rieger, „zweifellos eines der weißesten Völker der Welt, sicherlich unter den großen Nationen die hellste." Daher ist für Rieger klar, dass eine „enge Verbindung mit Auflockerung der Grenzen [...] biologisch für Deutschland mithin keinerlei negativen Folgen [habe], anders als es die offenen Grenzen zu Italien, Frankreich oder England haben." Nichtsdestotrotz sieht Rieger auch „relative geringe" Reibungspunkte zwischen den beiden Staaten. „Russen-Mafia", „Schieberbanden" und „organisierte Russenkriminalität" seien, so Rieger, Dinge, über die die „ausländischem Einfluß unterliegende Presse" spricht. Allerdings stellt Rieger auch fest, „daß es sich bei den allermeisten um Vertreter der 230.000 russischen Juden handelt, die seit 1990 aufgrund eines Abkommens zwischen der Bundesrepublik und Rußland [...] problemlos einwandern durften und dürfen. " Hier „muß", fordert Rieger, „ein Weg gefunden werden, daß diese jüdische Einwanderung nach Deutschland aufhört."Angesichts solch martialischer Töne des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der NPD muss man sich fragen, ob Molau nicht noch untertrieb, als er nach der Wahl Riegers von einer „politischen Katastrophe" sprach, Super-Gau ist wohl zutreffender. Vom Kurs auf die Mitte muss man sich mit Herrn Rieger wohl verabschieden und Altnazis, die auf diesen Rassismus anspringen, gibt es ja nicht mehr viele, wie auch die Zeitschrift „Reichsbote" festgestellt hat. Der „Reichsbote" hat sich Schwerpunktmäßig der „Wiederherstellung der deutschen Herrschaft über Ostpreußen, Westpreußen, Schlesien, Pommern und das Sudetenland" verschrieben und musste nun mit der Zeitschrift „Volk in Bewegung" fusionieren. Entscheidend „in einer Zeit der aussterbenden Erlebnisgeneration" war nach eigenen Angaben „die Bündelung der volkstreuen verbliebenen und neuen Kräfte". |