Gruppe "Netzwerk Sozialistische Nation"
Interview mit drei NWSN-Anhängern
http://www.subvakt.tk/
Das folgende Interview führte Thomas Gerlach durch.
1. Frage:
Die Gruppe “Netzwerk Sozialistische Nation” setzt sich aus verschiedensten Personen und Aktivisten zusammen, die alle eine ganz eigene - und mitunter sehr unterschiedliche - politische Geschichte aufweisen.
Vielleicht wäre es am besten, wenn sich jeder von Euch einmal kurz vorstellt und kurz erläutert, auf welchen Wegen und vielleicht auch Umwegen man zur Gruppe bzw. zum Netzwerk gefunden hat?!
[Antireaktionaer]: Ich bin Antireaktionaer, 18 Jahre alt, und komme aus dem schönen Berlin. Schon als Kind war ich an politischen Zusammenhängen immer sehr interessiert, wenngleich ich diese oftmals weder reflektieren noch verstehen konnte. Irgendwann, ich glaube, es war 2001 zur Wahl des Abgeordnetenhauses, kam ich dann zum ersten Mal bewusst in Kontakt mit einem Wahlplakat der NPD oder der REPs. Ich weiß nicht mehr, was darauf stand, auf alle Fälle fühlte ich mich irgendwie zu einer traditionell-deutschtümlichen Einstellung hingezogen. Während ich in der Zwischenzeit mein völlig unorganisiertes Dasein im politischen Milieu fristete und mit einigen Freunden über weltanschauliche Themen debattierte, gelangte ich am Anfang des Jahres 2004 zur “nationalen Musik”, über die ich mich dann systematisch “weiterbildete”, d.h. vieles von dem aufnahm, was dort gepredigt wurde. Vor allem Berlin mit einer ganz speziellen Gruppe stand ja damals im Visier von Behörden wie Medien, sodass mir über die Presse die Grundlage der “rechtsradikalen Ideologie” mehr oder weniger vermittelt wurde. Ich wusste im Wesentlichen, worum es ging.
Kurze Zeit später knüpfte ich dann Kontakte zur NS-Szene in Ostberlin, wohnte einigen Treffen bei usw. Zugleich trieb ich mich in einschlägigen Internetforen herum, las keinen Widerspruch zulassende Propaganda, wurde innerlich immer weiter auf einen Nationalsozialismus neuer Prägung justiert. Ende 2005 stöberte ich im Schrank meiner Eltern das Buch “Anmerkungen zu Hitler” von Sebastian Haffner auf, welches mir zum ersten Mal eine Prise Sand ins Getriebe streute - ich kehrte allmählich vom Hitlerismus ab, wandte mich stattdessen neuen Führungspersönlichkeiten zu. Mein Weltbild setzte sich nach wie vor aus einer straff organisierten Volksgemeinschaft bzw. einem “starken Staat” zusammen; insofern passte mir Otto Strasser ganz gut ins Konzept. Bei seinen Ideen dachte ich mir: “Das ist es! Das willst Du!” Seine Querelen mit Hitler führten dazu, dass schon bald die obere Riege der NSDAP in meinem Denken überhaupt keine Rolle mehr spielte.
Mitte/Ende 2006 entdeckte ich dann das Bürgertum bzw. die Mittelschicht, aus der ich ja entsprang, und mich fortan auf die Erreichung derartiger Kreise fokussierte. Die Diskussionen mit fremden Menschen, die bis dato einen großen Teil meines Wirkens ausmachten, konnten nun ohne sofortige Anfeindungen initiiert werden. Sukzessiv legte ich mein radikales Weltbild zugunsten einer bürgerlich-nationalistischen (d.h. einem abgeschwächten Nationalismus mit Klassenbetonung) Sicht der Dinge ab, und engagierte mich für die NPD, in der ich eine Art Nachfolger der Weimarer DNVP sah.
In dieser Zeit, in der ich auch Don_Camillo persönlich kennen lernte, sprach plötzlich ein guter Kumpel, der in unserem Forum aktive Nationalrevolutionär, den “Fahnenträger” zum ersten Mal an plus Angabe eines Buchtitels, den ich niemals vergessen sollte: “Nationalbolschewismus und nationalrevolutionäre Bewegungen in Deutschland” von Karl O. Paetel. Ich erkannte, dass das politische Spektrum sich nicht nur zusammensetzte aus NW und Antifa, sondern dass eine dritte Front existierte, die das, was ich dort in diesem NR-Buch verinnerlichte, vertrat. Ich begann mir meine eigenen Gedanken zu machen, übte Selbstkritik, stieß den Prozess der Dialektik an. Infolge dieser Entwicklung war es mir unmöglich geworden, weiterhin für die NPD zu agitieren - als mein Infragestellen der bisherigen Leitsätze zur Sprache kam, “verabschiedete” man mich mit dem Etikett der “stalinistischen Sau”.
Währenddessen trieb ich unaufhaltsam nach “links”, setzte mich mit der RAF, Lenin, Mao usw. auseinander, bis ich dann Conrad Schwert traf, der mit ein Buch namens “PARECON - Leben nach dem Kapitalismus” empfahl. Selbiges Werk bereitete meinem vorherigen ideologischen Staatszentrismus ein Ende - ich ging allerdings weiter, studierte verschiedenste Theoretiker des Anarchismus/Anarchosyndikalismus, wobei ich die alte leninistische These vom Staat als Instrument der Klassenherrschaft wiederaufgriff und dies dann in meinem Sinne mit dem neu Gelesenen formte. Der Brückenschlag zwischen der Praxis der Klassiker und der Theorie von Rätesozialisten bzw. Gesellschaftern aus dem 21. Jahrhundert war somit gelungen.
Ernst Jüngers philosophischer “Waldgang” und Rudi Dutschke im Ganzen beendeten weitestgehend meinen Werdegang von “ganz rechts” nach “ganz links”. Seitdem habe ich meinen Platz in der Welt gefunden - die Dialektik sowie die Selbstkritik jedoch brechen damit nicht ab. Sie bleiben endlos. Sie bahnen mir den Weg zu einem Ziel, das ich gemeinsam mit vielen anderen duften Akteuren und Kumpels im NWSN zu verwirklichen versuche.
Die Geschichte ist nach vorne offen - gestalten wir sie!
[Dr. Bakterius]: Meine Wenigkeit firmiert unter diversen Pseudonymen, benutzen wir hier halt einmal den Dr. Bakterius aus dem FDJ-Forum. Da ich seit beinahe 20 Jahren politisch aktiv bin, kann man mich wohl als „alten Hasen“ bezeichnen. Meine ursprüngliche politische Sozialisation erfolgte durch die „No Future-Generation“ der 80er Jahre und, nun ja, Punk. Entsprechende Neigungen kann ich auch heute nicht verhehlen. Ursprünglich also aus einer eher linken Ecke kommend, fing ich schon recht früh an, mich mit dem Nationalsozialismus und dem Dritten Reich auseinanderzusetzen. Zur Initialzündung geriet dann Otto Strassers „Die Sozialisten verlassen die Partei“, und nach kurzen Kontakten ins NPD-Milieu landete ich konsequenterweise bei der Nationalistischen Front, die damals – wenigstens auf dem Papier – dem Strasserismus ähnliche Positionen vertrat. Im Rahmen meiner Aktivität in der NF habe ich gewissermaßen das volle Programm mitgenommen, bin also kein reiner „Elfenbeinturm-Theoretiker“. Infolge der allgemeinen Rechtsentwicklung der Partei und anderer unliebsamer Erscheinungen kehrte ich der NF allerdings Ende 1991 den Rücken. Spielte Otto Strassers „Revolutionärer Nationalsozialismus“ am Anfang eine zentrale Rolle, änderte sich dies durch das schon von Antireaktionaer erwähnte Paetel-Buch. Seit den 90er Jahren betätige ich mich überwiegend publizistisch und arbeitete an diversen Publikationen, zum Teil auch aus dem NPD-Dunstkreis stammend, mit. Durch die intensive Beschäftigung mit den Weimarer Nationalrevolutionären wurde ich in der Folgezeit stark durch deren linken Flügel beeinflusst (Paetels GSRN, „Umsturz“-Gruppe um Werner Lass, Ernst Niekisch), aber auch durch Ernst Jünger, Ernst von Salomon usw. Seit der Jahrtausendwende machten sich Einflüsse von „links“ bemerkbar, so der nationalkommunistische Kurs der KPD 1923 oder ab 1930, die K-Gruppen der 70er Jahre, der Hamburger Nationalbolschewismus von Laufenberg und Wolffheim und in den letzten Jahren sehr stark Rätekommunismus und Syndikalismus. Seit einiger Zeit spielt auch die NS-Linke für mich wieder eine gewisse Rolle, ebenso der italienische und spanische Frühfaschismus. Aus diesem Grunde halte ich zudem nicht sonderlich viel von einem „nationalen Antifaschismus“.
In den letzten Jahren war ich an Projekten wie „Die Kommenden“ und dem „Fahnenträger“ beteiligt, ebenso an der „neuen“ GSRN. Da ich eine Initiative zur Sammlung der versprengten Nationalrevolutionäre für dringend notwendig halte, beteilige ich mich am NWSN.
[Pruzzoz]: Ich bin der Pruzzoz, derzeit Anfang Zwanzig, schenke mir weitere Details und komme gleich zur Sache: Nein, zur Abwechslung stamme ich nicht aus dem NW, sondern von der politischen Linken, wo ich mehrere Jahre aktiv war.
Ich habe mich immer mit der Nationalen Frage beschäftigt, was naturgemäß nicht ganz einfach ist, da sie als Domäne der Rechten gilt und die Mehrzahl der Genossen bei ihrer Thematisierung verständnislos bis verstört reagiert.
Als Grund dafür erkannte ich die zunehmend offensichtlichen Spätfolgen der „Sonntagsschule des Liberalismus“ (Robert Kurz), deren Besuch bei der heutigen Linken eine offene Flanke für die Ideologie der Moderne und damit eine Reihe von Mutationen hervorgebracht hat, die dem Kapitalismus entweder nach dem Mund reden oder sogar für ihn Partei ergreifen. Dementsprechend degeneriert auch der Antifaschismus (wobei die Bedeutungsverschiebungen im Faschismus-Begriff durchaus erwähnenswert und problematisch sind) zu einer Verteidigung des Liberalkapitalismus, dessen diktatorische Version er ja angeblich bekämpfen will: „Der neue Faschismus wird nicht kommen und sagen: Ich bin der neue Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“ (Ignazio Silone)
Ich begab mich also schließlich auf die Suche nach einer explizit linksnationalen Kraft, die es aber schlicht und einfach nicht gab. Was tun? Als Sozialist war ein Seitenwechsel auf die Rechte selbstverständlich keine Option, da der dortige Pseudo-„Antikapitalismus“ und der als leere Worthülse fungierende „Sozialismus“ eigentlich nur demagogisch gebraucht werden. Zudem ist der Nationalismus selbst in Teilen liberalistisch verseucht (was sich als Chauvinismus, in einer hemmungslosen Biologisierung gesellschaftlicher Zustände und einem blindwütigen „Anti-Bolschewismus“ geschichtlich geäußert hat und leider immer noch äußert). Dies ist zwar eine unbequeme Erkenntnis, aber notwendig, um Einsicht in den Bauplan der modernen - wenn man sie mal so nennen will - „One World“ zu erhalten und die tragenden Säulen ausfindig zu machen.
Sowohl den „Anti-Faschismus“ als auch den „Anti-Bolschewismus“ zu durchschauen, ist der erste Schritt zur Querfront. Also haben Sozialisten und Nationalisten allen Grund, althergebrachte politische Muster wertkritisch zu hinterfragen. In unserem Forum bin ich (und ich bin nicht der Einzige mit dezidiert linken Wurzeln) dann glücklicherweise auf Gleichgesinnte der anderen Feldpostnummer gestoßen – und daher setzte ich auf das NWSN.
2. Frage:
In der Tat habt Ihr höchst unterschiedliche Wege bisher beschritten! Wir sehen dies eher als positive Chance denn als Hindernis!
Aber machen wir zuerst einmal weiter…
Die von Euch als Manifest beschlossene und propagierte “5-fache Revolution” ist sozusagen der Rahmen der Gruppe, und immer wenn man die Worte “Revolution” nutzt, deutet man an, dass man fundamentaloppositionell ZUM System und nicht oppositionell IM System arbeitet bzw. wirkt.
Das bringt einem natürlich unweigerlich zum Thema:“Wie überwindet man das System?”
Zwar eine Frage, die man natürlich nicht 100% klar und deutlich beantworten kann/muss (schon alleine wegen der rechtlichen Frage und der daraus entstehenden möglichen Repression), aber uns interessiert, wie ihr allgemein das Thema Gewalt im politischen Kontext betrachtet.
Sei es nun politische Gewalt von Gruppen (Antifa, AN’s und so weiter) und auch staatliche Gewalt in Form von direkter und physischer Repression gegen Oppositionelle, wie steht Ihr dazu?
[Pruzzoz]: Revolutionär denken heißt in Systemen denken. Ein System schreibt sich durch strukturelle Zwänge und/oder Gewalt fort, wird also auch nicht mit einem seiner Repräsentanten begraben werden. Im Gegenteil: So eine Gewalttat gegen eine bestimmte Person ist kontraproduktiv, bspw. war der Mord an Kotzebue 1819 ein höchstwillkommener Vorwand für die Karlsbader Repressionsbeschlüsse (zum Fall der RAF kommt sicher noch ´ne Anmerkung von Antireaktionär). Das allein wäre aber nur eine simple Kosten-Nutzen-Kalkulation, darüber hinaus bin ich menschlich und moralisch fest überzeugt, dass das Ziel bereits in den Mitteln erkennbar sein muss. Ein Systemwechsel durch Terror führt nicht zu einer Verbesserung, sondern zu einer Eigendynamik des Terrors und damit in die Barbarei – mögen die Ideale noch so schön geklungen haben.
Auf die Frage der Macht im Staat bezogen, könnte der Satz „Das Ziel rechtfertigt die Mittel“ bloß zutreffen, wenn diese Macht als Selbstzweck und nicht als befristeter Umweg zum eigentlichen Ziel verstanden werden würde. Aufgrund der historischen Erfahrung mit dem totalen Staat, nimmt das NWSN ohnehin eine staatskritische Haltung ein.
Was die Nutzung von oder zumindest die Berufung auf systemimmanente Strukturmerkmale betrifft, sollte man genauer nachdenken: Das System wird zunehmend vom kapitalistischen Krisenprozess in Mitleidenschaft gezogen. Zu seiner Legitimation, genauer: zur Beschwichtigung und Eingliederung radikaler sozialer und demokratischer Kräfte hatte es einst die Institutionen der „sozialen Marktwirtschaft“ und der „parlamentarischen Demokratie“ geschaffen, denen von vorneherein ein Radikalismus-hemmender Defekt eingebaut wurde. Das war zweifellos ein strategisches Meisterstück und hat gut funktioniert.
Nun aber schlägt der Rationalisierungsdruck auf die kapitalistischen Staaten voll durch, so dass die diesbezüglich weitsichtige politische Elite anfängt, ja anfangen muss, die sozialen Sicherungen anzugreifen. Folgendes Problem: Das sich selbst zum Konsens der Mitte nötigende Parlament war wie gesagt in der Vergangenheit gegen radikale Umwälzungen immunisiert worden, was damals zur vom Kapital dringend benötigten Stabilisierung des Status Quo erfreulich war, womit es aber heute einer vom Kapital selbst dringend benötigten radikalen Umwälzung schlicht und einfach im Weg steht. Das ist dann das zweite Problem: Zu seiner weiteren Entfaltung müsste das Kapital die parlamentarische Demokratie suspendieren, doch diesen exekutiven Bestrebungen stehen nun die früher zur Stabilisierung geschaffenen, rechtlichen Vorschriften im Weg.
Insbesondere das Bundesverfassungsgericht pocht in gewisser Weise auf soziale und demokratische Standards und wirkt damit zwar nicht gegen den Kapitalismus an sich, aber gegen die neoliberale Offensive, welche diese Bürgerrechte am liebsten in die Tonne treten würde.
Dieser Widerspruch im System selbst, könnte im weiteren Krisenverlauf entweder zur Handlungsunfähigkeit oder zu einer Sprengung des parlamentarischen Sozialstaats von oben führen. Dem stehen aber die Massen entgegen, die zwar von sich aus nie auf revolutionäre Ideen gekommen wären, aber nun den Verlust ihres akzeptierten Status Quo nicht hinnehmen wollen. Das ist heute auch ein wichtiger Ansatzpunkt für die Fundamentalopposition, da kann man sich auch gerne auf die Verteidigung der im Grundgesetz verbrieften Rechte berufen: “Wir haben keine Illusionen über das, was dieses bißchen bürgerliche Demokratie […] wert ist, aber so wenig es bedeutet, wir unterschätzen es nicht.“ (Clara Zetkin) Beim Judo macht man sich schließlich auch die Kraft des Gegners zunutze, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, warum also nicht auch in der politischen Agitation bzw. Aktion?
Überhaupt ist die Argumentation mit dem Art. 146 GG geeignet, um ohne schlechtes Gewissen (beim Bürger zu erzeugen) für den Systemwechsel zu plädieren; zumal wir im gleichen Atemzug die wahrhaft soziale und demokratische Ordnung anbieten können.
Noch ein Wort zur Rolle des NWSN: Wir sind keine größenwahnsinnigen Phantasten (wir geben uns zumindest Mühe, keine zu sein). Wir verwetten bestimmt nicht unseren Kopf darauf, ein Dreh- und Angelpunkt der Überwindung der herrschenden Zustände zu werden, u.a. deshalb haben wir auch die verhältnismäßig offene Form eines Netzwerkes gewählt. Natürlich auch, um einen weltanschaulich innovativen Diskurs zwischen Frei- und Querdenkern zu ermöglichen und der geistigen Inzucht vorzubeugen.
[Antireaktionaer]: Zur Beantwortung dieser Frage möchte ich an Pruzzoz anknüpfen. Die Überwindung des System ist nicht mit einer konkreten Formel oder einem vermeintlichen Allheilmittel festzuschreiben, sondern sie spielt sich in Etappen ab. An erster Stelle steht die Sensibilisierung, d.h. die Bewusstwerdung über politische und ökonomische Zusammenhänge im Staat (Mao formulierte dies mit den Worten, ein Kommunist müsse sich immer wieder die Frage nach dem Warum stellen, und zwar von A bis Z, bevor er weiteragieren könne). Die wachsenden sozialen Divergenzen (und das, obwohl sich der neoliberale Kapitalismus im bürgerlich-parlamentarischen Modell einer Schranke ausgeliefert sieht, wie Pruzzoz bereits anführte), fördern an sich keine Bewegung hin zu einer neuen Erkenntnisstufe. Warum sollte plötzlich Menschen, die einerseits den Produktionsbedingungen sowie der damit verbundenen materiellen Gewalt der Waren ausgeliefert sind, andererseits völlig aus diesem wirtschaftlichen Mechanismus ausgegrenzt wurden, das Durchschauen derartiger Dinge in die Hände fallen, wo sie nicht mal über die Mittel verfügen, diese Prozesse zu reflektieren (bspw. über Bücher, die horrende Summen kosten) und daraus dann die entsprechenden Schlussfolgerungen abzuleiten?
Hier muss über die Theorie angesetzt werden. Die Menschen müssen sich Wissen aneignen, sie müssen lesen, sie müssen ein neues Bewusstsein, eine neue Sicht der Dinge ausbilden, welche sie dann als Waffe gegen die Herrschenden einsetzen können. Dazu verhilft einzig und allein systematische, konsequente Aufklärung. Ich denke, wir im NWSN sind dazu neben vielen anderen, ähnliche Interessen vertretenden Gruppen, durchaus in der Lage. Ist dieser Schritt erst einmal getan, wurde ein stabiles Fundament gegossen, auf dem weitere Schritte gemeinsam ausentwickelt werden können. Mit Abschluss dessen stirbt gleichzeitig die agitative Funktion des NWSN ab - es besteht danach als Mosaiksteinchen im Mosaik der kritischen Subjekte weiter.
An diesem Punkt gelangen wir zur Dynamisierung der “Aufgeklärten”. Die Theorie muss in die Praxis münden; es müssen sich Gedanken darüber gemacht werden, wie sowohl die staatliche Allmachtsfunktion als auch der Kapitalismus überwunden werden können. Hierzu bestehen zwei Möglichkeiten: entweder per Explosion, also bewaffnetem Massenaufstand wie bei der Oktoberrevolution 1917, oder per Implosion, schrittweisem Aufbau autonomer Verbindungen auf solidarischer Basis noch während der Existenz des Staates. Letzterer wird somit allmählich von innen heraus zersetzt, bis er vollständig die Kontrolle über die Gesellschaft verloren hat und infolge dessen zugunsten einer partipativen Demokratie sowie eines revolutionären genossenschaftlichen Rätesozialismus in sich zusammenfällt. Damit einher geht gleichermaßen eine Umwälzung der heutigen kulturellen Gegebenheiten - die Menschen müssen zu einem neuen Selbstbewusstsein finden, einem Interesse am gesamtgesellschaftlichen Diskurs.
Gewalt gegen Personen lehne ich komplett ab. Was ich bis heute nicht verstehe, ist, dass die RAF erkannt hat, dass Terror gegen staatsrepräsentative Individuen nutzlos ist, weil auch Funktionäre oder Institutionelle nur als Humanmaterial gesehen werden, die einfach ausgetauscht werden, wenn einer mal “verschwindet”. An die Stelle von Person X rückt Person Y nach, die Lukrativität einer gewaltsamen Aktion gegen Person X ist 0. Im Gegenzug dachte man jedoch, man würde mit terroristischen Akten gegen Einzelne den Staat in seinem Mark mittels des öffentlichen Aufruhrs erschüttern. Dies schlug völlig fehl, wie wir heute wissen.
Eines dürfen wir keinesfalls vergessen: Die Kapitalist fungiert nicht als Ausbeuter, weil er sadistisch veranlagt ist. Er fungiert allein aufgrund der kapitalistischen Zwangsgesetze als Ausbeuter. Ihm bleibt nichts anderes übrig, d.h. er denkt, er täte das Richtige, wobei wir wissen, dass er das Falsche tut. Es kommt darauf an, von welcher Perspektive aus man solcherlei Zusammenhänge beurteilt. Ein Soldat, der “für’s deutsche Vaterland” oder “für die Verteidigung und Durchsetzung der Menschenrechte in Vietnam oder im Irak” in die Weiten zog, tritt von einem subjektiven Standpunkt an die Sache heran, der ihm sagt, er kämpfe für eine gute Sache. Vielleicht hatte er bis dahin einfach nicht die Gelegenheit, die Interessen, die dahinter standen, zu reflektieren. Wir bewegen uns alle auf verschiedenen weltanschaulichen Ebenen, und niemand darf sich dazu erheben, denjenigen, der auf einer anderen Ebene steht, für seine Perspektive körperlich zu bestrafen. Wir sollten uns in dieser Frage an der Vorgehensweise der spanischen Anarchosyndikalisten der CNT orientieren, die den Kapitalisten nach der Vergesellschaftung der Produktionsmittel sagten: “Passt auf, Ihr habt bislang etwas Falsches getan, aber wir hauen Euch dafür nicht die Köpfe ein. Ihr seid jetzt vollwertige Mitglieder der Gemeinde wie alle anderen auch, und auch Ihr dürft am Produktionsprozess wie alle anderen als Arbeiter teilhaben.”
Anders hingegen sieht es mit materieller Gewalt aus: Da sich die heutige Gesellschaft im Zuge des Warenfetischs mehr und mehr über materielle Dinge definiert, trifft man die Persönlichkeit einer Person eher mit einer direkten Aktion gegen einen Luxusgegenstand, als wenn man nun direkt gegen die Person selbst agieren würde. Die italienische “Brigate Rosse” fackelte z.B. Autos von Firmenchefs und Gewerkschaftsführern ab, da sie den symbolischen Niedergang der bestehenden Verhältnisse über kleine Anstoßpunkte demonstrieren wollte. Zerstörungswut gegen Volkseigentum, also Brücken, gemeinnützige Einrichtungen, Strommasten (wie in Tirol Anfang der 60er) usw. halte ich für kontraproduktiv, denn schließlich trifft man auf diese Weise das Volk, das man ja eigentlich befreien möchte, und nicht die Oberen.
[Dr. Bakterius]: Eine Revolution bezeichnet eine tiefgreifende Veränderung der politischen wie sozio-ökonomischen Strukturen und unter Umständen auch des kulturellen Normensystems einer Gesellschaft. Der Begriff der Revolution lässt sich also nicht auf den Bruch mit einem bestehenden Verfassungssystem oder eine reine Auswechslung herrschender Machtgruppen reduzieren. Eine Revolution wird für „das Volk“, für eine gerechtere Ordnung gemacht, nicht für abgehobene Eliten bzw. für deren Ziele. Das ist für mich als Rätesozialist ein Grund, beispielsweise sowohl den Stalinismus wie auch den real existierenden Nationalsozialismus des „Dritten Reiches“ abzulehnen. Die Revolution hat einerseits eine materielle, aber andererseits auch eine geistige, metaphysische Grundlage.
Gewalt ist zwar eine Begleiterscheinung der meisten Revolutionen, aber kein konstitutives Merkmal des Revolutionsbegriffes. Dennoch ist Gewalt eine Realität, mit der man sich auseinanderzusetzen hat, sei es in Form staatlicher Repression oder als Gewalt politischer Gegner. Als Fundamentaloppositioneller sollte man darauf vorbereitet sein, mit Gewalt konfrontiert zu werden. Es geht dem Staat wie dem politischen Gegner darum, uns psychisch, sozial und ökonomisch zu ruinieren – Grund genug, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Im Knast, sozial marginalisiert, aus der Uni oder der Schule geprügelt oder ganz einfach nach der 10. Hausdurchsuchung psychisch fertig nutzen die Leute uns nämlich nicht sonderlich viel. Hierher gehört auch, sich von einem positivistisch-naiven „Wir sind die Guten“-Denken (wahlweise: „Wir wollen doch nur das Beste für Deutschland“) freizumachen, das bei weiten Kreisen der Rechten wie der Linken vorhanden ist. Selbst in RAF-Sympathisantenkreisen war immer wieder die empörte Überraschung vorzufinden, dass das „Schweinesystem“ doch tatsächlich die Frechheit besaß (und besitzt), sich zu wehren.
Gewalt ist also eine politische Realität, auch wenn ich sie nicht sonderlich schätze. Die Gefahr hierbei ist, und diese Gefahr ist sowohl bei der Antifa bzw. den Autonomen als auch bei der militanten Rechten anzutreffen, dass sich Gewaltausübung von einem unter bestimmten Umständen anzuwendenden taktischen Mittel zu einem Selbstzweck entwickelt und zum Militanzfetisch wird, über den der eigentliche politische Überbau sträflich vernachlässigt wird. Wenn man so will, muss Politik mit einem der jeweiligen Lage angepassten Methodenmix betrieben werden. Ohnehin ist mein Gegner nicht „die Linke“ (ich leiste mir den Luxus, zwischen Antifas und der Linken an sich zu unterscheiden) oder irgendein Migrant, sondern die bürgerlich-kapitalistische Ordnung. Wichtiger als die Fahne, unter der er marschiert, sind in meinen Augen Persönlichkeit und Charakter eines Menschen. Der Gegner ist auch nicht der einzelne Kapitalist oder eine starr definierte Klasse (abgesehen davon, dass man Einzelfälle natürlich zur Brandmarkung des Systems an sich nutzen kann), sondern das kapitalistische System an sich. Hier gibt es keinen Unterschied zwischen dem „guten“ schaffenden und dem „schlechten“ raffenden Kapitalisten.
Wie kann diese Ordnung überwunden werden? Sicherlich nicht mit Heß-Märschen, großdeutschen Gedankenspielereien und „Opa war kein Verbrecher“. Das sind Themen, die den Großteil der Bevölkerung nicht interessieren und meilenweit an seiner Lebenswirklichkeit vorbeigehen. Der zweifellos vorhandene Erfolg des Systems BRD beruht auf seiner Legitimation durch „soziale Marktwirtschaft“ und „soziale Gerechtigkeit“. Seit dem Kollaps des Ostblocks rückt der Staat immer weiter von diesen seinen Erfolgsvoraussetzungen ab, sägt also eifrig an dem Ast, auf dem er sitzt. Genau hier gilt es anzusetzen: Soziale Frage, Umweltzerstörung, Wirtschaftsfragen, Antikapitalismus, Klassengesellschaft, und zwar mit einem echten Sozialismuskonzept über parlamentstaktische Sozialdemagogie hinausgehend. Diese Reizthemen sind seit Jahren empirisch erhärtet, hinzu kommt dann noch ein relativ starkes neutralistisches, NATO- und USA-kritisches Potenzial in der Bevölkerung, das ebenfalls mit Aussicht auf Erfolg bedient werden kann. Und zwar ernsthaft: Ich kann nicht den US-Imperialismus ablehnen und im gleichen Atemzug die Kriegspolitik Hitlers verherrlichen oder die Rolle der BRD als eigenständiger imperialistischer „global player“ ignorieren. Kulturell-philosophische Themen spielen hierbei auch eine Rolle, also die Bekämpfung des materialistischen Denkens. Die Revolution wird, gerade weil derzeit kaum von einer auch nur vorrevolutionären Situation gesprochen werden kann, auf geistig-propagandistischem Gebiet vorbereitet. Wie das Beispiel der DDR zeigt, können politische Systeme binnen kurzer Zeit buchstäblich implodieren, wenn sie ihre Legitimation verspielt haben. Es ist also durchaus eine Strategie, die bestehende Ordnung geistig zu unterminieren. Diese Unterminierung kann auf vielerlei Wegen geschehen: Demonstrationen (von diesem Mittel halte ich, abgesehen von Ausnahmefällen, nicht sonderlich viel), direkte Agitation im Betrieb, in der Schule, an der Uni, im Freundes- und Verwandtenkreis, Print- und Onlinemedien (Gegenöffentlichkeit!), Kulturguerilla usw.
3. Frage:
An die letzte Aussage bzw. den letzten Satz möchte ich einmal anknöpfen und eine Überleitung zum nächsten interessanten Gebiet finden. Zuvor allerdings möchte ich kurz ein Szenario aufzeichnen, was durchaus realistisch sein dürfte:
Ein junger Mensch (20 Jahre) findet die Webseite und sozusagen das NWSN.
Er hat zwar in seiner persönlichen Historie gemerkt, dass dieses System nicht das ideale ist, aber sich auch noch nie wirklich mit politischen Alternativen beschäftigt (sozusagen also ein Mensch, der als “revolutionäre Verfügungsmasse” ideal ist).
Was würdet Ihr ihm raten oder nahe legen?
Welches Buch/Welche Bücher sollte er Eurer Meinung nach zuerst lesen?
[Dr. Bakterius]: Selbstschulung ist unverzichtbar, und historische Leitfiguren / Ideengeschichte sind bei Einsteigern sinnvoll. Also: Ich beschränke mich auf 5 Titel. Heinrich und Paetel liefern jeweils gute Einführungen und Anregungen für weitergehende Lektüre bzw. Nachforschung, Kurz rechnet effizient mit dem Kapitalismus ab, und Höhne wirft ein erstes Licht auf die äußeren Umstände des Aufstieges Hitlers und die parteiinternen Richtungskämpfe, erschüttert also die Selbstdarstellung des späteren Regierungs-NS.
Michael Heinrich – Kritik der politischen Ökonomie. Eine EinführungKarl O. Paetel - Nationalbolschewismus und nationalrevolutionäre Bewegungen in DeutschlandRobert Kurz – Schwarzbuch KapitalismusHeinz Höhne - Die Machtergreifung. Deutschlands Weg in die Hitler-DiktaturHeinz Höhne - Gebt mir vier Jahre Zeit. Hitler und die Anfänge des Dritten Reiches
[Pruzzoz]: Allgemein ist wohl das “Schwarzbuch Kapitalismus” die derzeit empfehlenswerteste Gesamtdarstellung der geistesgeschichtlichen und sozioökonomischen Entwicklung der modernen Gesellschaft; gibt es übrigens mittlerweile kostenlos als PDF im Netz.
Für jeden der ernsthaft beginnen will, sich mit der Sozialen Frage (und damit der Frage nach dem Wesen und der Funktionsweise des heutigen Wirtschaftssystems) auseinanderzusetzen, dürfte in der Tat “Kritik der politischen Ökonomie: Eine Einführung” von Michael Heinreich einen verhältnismäßig verständlichen Einstieg gewährleisten; zumal es in der Regel für nur 10 Euronen angeboten wird.
Eher seicht, aber doch recht populär und unterhaltsam geschrieben, ist dann sicher noch “Angriff der Heuschrecken. Zerstörung der Nationen und globaler Krieg” von Jürgen Elsässer; vor allem weil es der Gegenstand kontroverser Diskussionen auf der Linken über die Nationale Frage ist.
[Antireaktionaer]: Ich persönlich sehe es zur Ausbildung eines neuen Bewusstseins unerlässlich, sich nicht nur von Leuten, die sich intensiv damit auseinander gesetzt haben, alles vorkauen zu lassen, sondern Eigeninitiative zu zeigen! Dem von Dir angesprochenen 20-Jährigen würde ich wahrscheinlich einen kurzen umfassenden Einblick in meine Sicht der Dinge geben, warum und weshalb ich dies so und so betrachte, dann jedoch liegt es an ihm, seinen Weg zu pflastern. Als einführende Werke würde ich ihm - ähnlich wie Dr. Bakterius und Pruzzoz - empfehlen:
“PARECON - Leben nach dem Kapitalismus” - Michael Albert
“Nationalbolschewismus und nationalrevolutionäre Bewegungen in Deutschland” - Karl O. Paetel
“Rudi Dutschke - Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben” - Gretchen Dutschke
“Zur Kritik der politischen Ökonomie - Eine Einführung” - Michael Heinrich
als weiterführendes, philosophisches Buch zur inneren Befreiung:
“Der Waldgang” - Ernst Jünger
Vor allem Dutschke sehe ich als historische Galionsfigur und als revolutionären Reibepunkt, an dem man, sofern man eher über Personen den Kontakt zu alternativen Gesellschaftsmodellen sucht, vieles wiedererkennt von dem, was mich persönlich beschäftigt.
4. Frage:
Es klang schon durch, dass beispielsweise Demonstrationen nicht als wirklich sinnvolles Mittel für Propagandaarbeit angesehen werden. Dies ist ein guter Ansatzpunkt, um über Aktionismus allgemein einige Worte zu verlieren.
Wird die Meinung über Demonstrationen von der ganzen Gruppe getragen?
Wie sieht es allgemein mit der aktionistischen Arbeit aus?
Wird diese schon durchgeführt oder ist diese geplant?
Oder will man sich zuerst einmal auf die theoretische Arbeit konzentrieren?
Wie stellt Ihr Euch das vor?
[Antireaktionaer]: Ich pflichte der Meinung von Dr. Bakterius bei. Demonstrationen sind inzwischen zum Anachronismus mutiert, denn den Teilnehmern geht es oftmals gar nicht darum, die Nähe zum Volk zu suchen, sondern rein aus dem Grund des “Etwas-getan-Habens” eine Veranstaltung zu initiieren. Im Anschluss kann man sich mit dem angeblichen Aktivismus, den man unter Verweis auf Demonstrationen lobhudelt, brüsten. “Ich war schließlich dabei! Ich habe etwas getan!” Was getan? Mit 300 Mann auf leere Straßen gestoßen zu sein mit einer von Polizisten hermetisch abgeriegelten Marschkolonne? Oder sich niveaulose Verbalschlachten mit andersdenkenden Bürgern am Straßenrand geliefert zu haben?
Fakt ist, dass man heutzutage von Außenstehenden als isolierter Block wahrgenommen wird, welcher einen martialischen Eindruck verursacht durch ein recht geschlossenen Auftreten, das neben Sprechchören von Transparenten, Fahnen oder Kleidung zusätzlich genährt wird. Insofern entsteht automatisch eine psychologische Diskrepanz zwischen Demonstraten und den Leuten, die man außerhalb eigentlich erreichen möchte. Abgesehen davon besitzen Aufzüge kaum noch instrumentellen Charakter, denn wer nicht mal die Bürger erreicht, wird noch weniger Druck auf das politische System ausüben können.
Zur aktionistischen Arbeit ein komprimierter Vorschlag meinerseits:
kurzfristig:- Wandparolen-”Stadtgespräche” (z.B. spontan zu einem Hauptverkehrsort zu fahren, um dort mit Menschen zu reden)- Liegenlassen der “Fünffachen Revolution” auf der Toilette, in öffentlichen Einrichtungen, in der Umkleidekabine usw.- kreative Aktionen, etwa symbolische Akte (Beispiel: Zu Zeiten der Studentenbewegung verbreiteten vereinzelte Gruppen im Volk das Gerücht, es würde bspw. am 22.3.1969 um 16:00 ein Hund auf dem Badener Marktplatz verbrannt werden, sodass lauter Leute aus Sensationslust dort hinströmten. Als alle gespannt auf die Verbrennung warteten, sagte dann einer der Initiatoren: “Also, wir verbrennen heute ausnahmsweise keinen Hund, aber denkt an die Menschen in Vietnam, die tagtäglich bei Phosphorbränden ums Leben kommen!”)
mittelfristig:- bundesweiter Aufbau von NWSN-Kollektiven, um über einen organisatorischen Zusammenhang zu verfügen- Intensivierung der Stadtgespräche, Bildung von gesellschaftlichen “Freizonen”, etwa in bestimmten Lokalitäten oder Orten, an denen Diskussionsrunden abgehalten werden
langfristig:- Bildung autonomer Räte unter Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung, d.h. schrittweise Abkoppelung von der staatlichen Reglementierung- somit Aufbau einer Gegengesellschaft
Auf dem Treffen im nächsten Monat werden dann die letzten Diamanten geschliffen.
[Dr. Bakterius]: Wie dem auch sei, wir müssen darauf achten, dass das NWSN nicht als reiner Online-Diskussionszirkel endet. Theorie ist wichtig, aber ebenso wichtig ist es auch, direkt auf Tuchfühlung mit Interessenten und Öffentlichkeit zu gehen. Die Leute brauchen etwas „zum Anfassen“, etwas, das im realen Leben vorhanden ist und nicht nur virtuell existiert. Antireaktionaers Vorschläge teile ich (ergänzt um Aufkleber, Flugblätter usw.), allerdings gewichte ich die Schaffung örtlicher Strukturen stärker. Dazu gehören eben auch regelmäßige Treffen auf regionaler wie überregionaler Ebene, Schulung, Planung etc., also: Raus aus dem Elfenbeinturm. Ich gehe ebenfalls davon aus, dass das anstehende “Bundestreffen” eine Art Startschussfunktion erfüllen wird.
[Pruzzoz]: Dem stimme ich zu.Wobei ich die Theorie, bspw. das besondere Streben nach einer wissenschaftlichen Erfassung des Volkstums im Rahmen der Gemeinschafts- und Gesellschaftstheorie, vielleicht nicht ganz so kritisch betrachte. Diesbezüglich wäre auch eine Ausstrahlung auf Gruppierungen mit gleicher Stoßrichtung schon etwas. Wer soll denn die für unsere Zwecke erforderliche intellektuelle Arbeit leisten? Das akademische Establishment will es nicht, die herkömmliche Rechte kann es nicht.
Posted by admin, filed under Texte des NWSN. Date: Juli 14, 2008, 1:37 pm |